Lieber Herr Boldt,
sehr geehrte Familie Schmidt,
sehr geehrter Herr Fink,
liebe Frau Lang,
sehr geehrte Gäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum Auftakt der Festwoche, mit der das Sprachenzentrum 100 Jahre Schwedisch-Unterricht an der Universität Jena feiert, begrüße ich Sie alle sehr herzlich. Ich freue mich sehr, dass Sie eine Woche lang Kulturelles, Geistiges, Spannendes und auch Kulinarisches aus Schweden hier in Jena präsentieren, und ich gestehe, dass Sie damit eine alte Sehnsucht bei mir wecken: Sieben Jahre lang konnte ich Abends von meinem Schreibtisch in Kiel aus die Fähre nach Stockholm auslaufen sehen, und ich habe mir manches Mal vorgenommen, einmal an Bord zu gehen, doch kam es leider bis heute nicht dazu, der Drang nach Süden war immer stärker.

Ein solcher Drang nach Süden kann aber vielleicht erklären, dass die Universität Jena im 17. Jahrhundert bei schwedischen Adeligen und bei angehenden Theologen eine gute Adresse für ein Auslandsstudium wurde. Die Einführung des lutherischen Bekenntnisses in Schweden 1527 hatte es mit sich gebracht, dass der schwedische Akademikernachwuchs an die Ostsee-Universitäten des Alten Reiches strebten, Rostock, Greifswald und natürlich Wittenberg. Als dann die Universität Uppsala am Ende des 16. Jahrhunderts eine gediegene Theologenausbildung bot, blieb die Tradition des Auslandsstudiums gleichwohl erhalten. Nun waren es vor allem das studium politicum, verbunden mit den Schlüsselqualifikationen des Adelslebens: Fechten, Reiten und Tanzen, die im 17. Jahrhundert einen guten Teil der schwedischen Elite nach Jena führten. Vor allem Axel Oxenstierna ist zu nennen, der 1602/3 hier in Jena Politik studierte und Bücher u.a. von Lipsius, Machiavelli und Bodin erwarb. Und immer wieder hat es studentische und über die Nordistik wissenschaftliche Kontakte nach Schweden hin gegeben. Aus jüngster Zeit will ich nur erwähnen, dass der Politikwissenschaftler Manuel Fröhlich seit Jahren über Dag Hammarskjöld und über ihn auch über seine Vernetzung und seine Rezeption in Schweden forscht. Er hat eine Neuausgabe des mystischen Tagebuchs Dag Hammarskjölds besorgt, aus dessen Lektüre sich viel vor allem auch über die landschaftlichen Prägungen Schwedens, und hier ganz besonders das beeindruckende Nordlicht lernen lässt.

Schon das Erlebnis des Nordlichtes sollte für Studierende und Wissenschaftler der Lichtstadt Jena Grund genug sein, umgekehrt einen Drang nach Norden zu verspüren und Schweden kennen zu lernen. Und immerhin waren es schwedische Ingenieure, die den Jentower, solide wie ein Volvo mit schwedischem Stahl errichteten. Deshalb danke ich dem Sprachenzentrum und allen Initiatoren dieser Festwoche sehr herzlich, dass sie schwedische Happen nach Jena bringen, um Geschmack zu machen, die Sprache und Kultur und Lebensweise dieses faszinierenden europäischen Landes näher kennen zu lernen. Ich wünsche Ihrer Festwoche viele interessierte Besucher und nachhaltige Wirkung, vielleicht ja auch für die eine oder andere Veranstaltung mit Schwedischen Partnern im Rahmen der Reformationsdekade. Historisch jedenfalls läge dies nahe.

Ihnen allen nun einen interessanten Abend mit Wolrad Eigenbrodt, Bertolt Brecht, der Familie Schmidt und Wolfgang Themel.

 

Dr. Klaus Dicke
Rektor der Friedrich-Schiller-Universität jena